Wracks im Pazifik – Tickende Zeitbomben

Gefährliche Munition im Inneren eines Schiffswracks Foto: Florian Huber

Gefährliche Munition im Inneren eines Schiffswracks Foto: Florian Huber

2005 legten Umweltwissenschaftler auf der „International Oil Spill Conference“ die erschreckenden Ergebnisse ihrer Studie vor: Mindestens 8569 Schiffswracks mit gefährlichem Inhalt, darunter 1583 Öltanker, liegen in unseren Weltmeeren und rosten vor sich hin. Der Großteil der Wracks stammt aus dem Zweiten Weltkrieg, annähernd 4000 ruhen im Pazifik. Tickende Zeitbomben, denn über kurz oder lang werden sie komplett verrosten; die Korrosionsrate liegt im Salzwasser bei etwa 0,1 mm pro Jahr. Millionen Liter Schweröl, Diesel und Kerosin könnten sich dann in den Ozeanen verbreiten und verheerende Umweltschäden anrichten. Forscher arbeiten an Modellen und Methoden, um vorhersagen zu können, wann die Wracks anfangen, Öl zu verlieren oder zu zerfallen und welche Küstenabschnitte zuerst betroffen wären.

Truk Lagoon

Im Morgengrauen des 17. Februar 1944 startete die US Armee einen massiven Luftangriff auf den japanischen Stützpunkt Truk im mikronesischen Chuuk-Archipel. Die Amerikaner näherten sich der Karolinen Insel mit 74 Schiffen, darunter sieben Schlachtschiffe, zehn U-Boote und neun Flugzeugträger, von welchen wiederum 589 Kampfflugzeuge zur „Operation Hailstone“ aufbrachen. Die Sturzkampf- und Torpedobomber waren mit panzerbrechenden Bomben zum Angriff auf die Schiffe sowie Streubomben für die Flugzeuge am Boden bestückt. Zwei Tage dauerten die für die Kaiserlich Japanische Marine verheerenden Kampfhandlungen, die vielfach als „japanisches Pearl Harbor“ bezeichnet werden. Den USA gelang es, innerhalb kürzester Zeit einen der wichtigsten feindlichen Stützpunkte restlos und systematisch außer Gefecht zu setzen. Insgesamt wurden zwei Kreuzer, fünf Zerstörer, vier Hilfsschiffe, sowie 31 Transportschiffe versenkt; über 3000 japanische Soldaten starben. Auf den Luftbasen blieben knapp 300 zerstörte oder schwer beschädigte japanische Kampfflugzeuge zurück. Die exakten Zahlen sind unbekannt und variieren zudem je nach Quellenangabe.

Gut erhaltenes Cockpit des Betty Bombers Vorsichtig tauchen wir durch die engen Maschinenräume der Shinkoku Maru Von der bevorstehenden Ölkatastrophe bedroht: Mangrovenwälder Öl- und Benzinfässer im Bauch der Fujikawa Maru Kanone der Fujikawa Maru Jeeps im Bauch der Hoki Maru Panzer vom Typ 95 Ha-Go auf dem Deck der San Francisco Maru Unzählige, übereinander gestapelter, halbkugelförmiger Strandminen in einer der Ladeluken der San Francisco Maru Noch mehr Öl- und Benzinfässer im Bauch der Fujikawa Maru

anklicken für mehr Bilder

Heute, über 70 Jahre nach den Ereignissen, ruhen die Wracks vermeintlich friedlich auf dem Meeresgrund und locken jährlich tausende Sporttaucher aus aller Welt an. Sie bestaunen die bunt bewachsenen Geschütze, die noch aus den Wracks ragen oder die komplett erhaltenen Flugzeuge, Panzer oder Jeeps, die teilweise auf den Decks stehen. Im Schiffsinneren lassen sich Maschinenräume, Mannschaftsunterkünfte und Offiziersmessen erkunden. Geschirr, Flaschen, Besteck und Munition liegen überall verteilt, wenngleich diese Funde in den letzten Jahren massiv geplündert wurden. Und das, obwohl es sich um japanische Kriegsgräber handelt und die Wracks seit 1976 unter Denkmalschutz stehen. Im Inneren der Stahlgiganten lauert aber noch etwas: Tonnenweise Schweröl!

Im Februar 2016 war ich in Truk Lagoon, um eine umfangreiche Fotodokumenation einiger Wracks und deren Ladung zu erstellen. Um auf die Umweltproblematik aufmerksam zu machen, konnte ich das bekannte TV-Format „Terra X“ gewinnen. Für die ZDF-Dokumentation „Abenteuer Pazifik“ werde ich im Juni 2016 mit meiner Firma SUBMARIS erneut in den Pazifik aufbrechen, um über die Geschichte Truk Lagoons und die tickenden Zeitbomben zu berichten. Die Doku wird Anfang 2017 zu sehen sein.