S.M. UC 71 vor Helgoland

Forschungstaucher am Turm der UC 71 

Forschungstaucher am Turm der UC 71 

S.M. UC 71 war ein U-Boot (Typ UC-II) der Kaiserlichen Marine während des Ersten Weltkrieges. 1916 gebaut, versenkte UC 71 unter Einsatz von Torpedos und Minen 61 Schiffe. Es sank 1919 bei der Überführungsfahrt nach England unmittelbar neben der südlichen Einfahrt vor der Nordseeinsel Helgoland. Auf meinen Antrag hin wurde das Wrack unter Denkmalschutz gestellt und 2014 von unserer Forschungstaucherfirma Submaris untersucht. Ziel war es, eine umfangreiche Zustandsdokumentation mittels hochauflösender Foto- und Videokameras durchzuführen sowie die noch vorhandene Reststärke von Außen- und Druckhülle mit einem Ultraschall-Dickenmessgerät zu erfassen.

U-Boot während der Produktion UC 71 im SideScanSonar Forschungstaucher im Heckbereich des Wracks Loch im Druckkörper des Wracks Abgerissener Buchbereich Schiffsschraube mit Gravur Bugbereich mit Torpedorohren

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Das Wrack ist in einem sehr guten Zustand. Dennoch zeigte sich, dass die Außenhülle fast komplett zerstört ist und die Druckhülle bereits erste Löcher aufweist. S.M. UC 71 ist neben dem etwa zehn Seemeilen westlich gelegenen und ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden englischen U-Boot E 10 (BSH-Nr. 1088) das einzig verbliebene U-Boot des Ersten Weltkrieges in deutschen bzw. schleswig-holsteinischen Gewässern.

Die Ergebnisse der Untersuchung finden sie unter Publikationen.

UPDATE:

Im Juli 2016 hat unsere Firma SUBMARIS im Auftrag des Museums Helgoland die 4,10 m lange Netzsäge der UC 71 geborgen. Eine Netzsäge sollte U-Boot-Sperrnetze, die wie Vorhänge in der Straße von Dover sowie sämtlichen engl. Flussmündungen und Hafeneinfahrten hingen, zerschneiden. Die Netze (darin oft auch Minen eingeflochten) sollten dann über zwei am Ende der Netzsäge angebrachten, parallel laufenden Stahlseilen vom Bug über den Turm bis Ende des Hecks abgeführt bzw. abgewiesen werden.

Die Netzsäge der UC 71 ist mittlerweile wohlbehalten im Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig angekommen. In der dortigen Archäologischen Zentralwerkstatt werden Funde aus anorganischen Materialien wie Metall, Keramik und Stein sowie organischen Materialien wie Holz, Leder, Textil aus Tier- und Pflanzenfasern, Knochen und Geweih bearbeitet. Die Netzsäge hat ein eigenes Becken mit demineralisiertem Wasser bekommen und wird dort in den nächsten Monaten entsalzt und konserviert. Bereits bei der ersten Vorreinigung ist der sehr gute Erhaltungszustand aufgefallen. Auch eine interessante Inschrift wurde gefunden, über die wir hoffentlich bald mehr sagen können. Nach den Konservierungsmaßnahmen in Schleswig abgeschloßen sind, wird die Netzsäge im neu geplanten Museum auf Helgoland ausgestellt werden.